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Organentnahme kurz erklärt

Es gibt in der Schweiz 2 Formen von Organentnahmen

1. Organspende von lebenden Menschen (Lebendspende)

Lebende Menschen können eine Niere und einen Teil der Leber spenden. Im Ausland kann auch ein Teil der Lunge und des Dünndarms gespendet werden.

2. Organentnahme von laut Gesetz toten Menschen

(Auch «Organspende nach dem Tod» oder «postmortale Organspende» genannt)

Bei der Organentnahme von laut Gesetz toten Menschen wird wiederum zwischen zwei Formen unterschieden:

2.1. Organentnahme nach Hirntod (bei funktionierendem Kreislauf)

(Organentnahme nach primärem Hirntod, Donation after Brain Death DBD, ca. 65% der Organspenden in der Schweiz)

Von bereits kalten Leichen können keine Organe verpflanzt werden. Ihre Organe sind tot und können nicht wieder zum Leben erweckt werden. Empfänger brauchen lebende Organe.

Es gibt Menschen, bei denen zum Beispiel durch einen Unfall mit schwerer Kopfverletzung oder nach einem Hirnschlag oder einer Hirnblutung das Hirn zwar nicht mehr, aber der Körper trotzdem noch funktioniert. Menschen in einem solchen Zustand sind «hirntot». Sie gelten heute laut Gesetz als tot. Biologisch sind mit dem Hirn aber nur 3% des Körpers tot, die restlichen 97% sind lebendig. Organentnahmen erfolgen daher nur laut Gesetz nach dem Tod, medizinisch-biologisch erfolgen sie während dem Sterbeprozess. (Swisstransplant spricht rätselhaft von Organspenden im und nicht nach dem Hirntod.)

Hirntote sehen aus wie Schlafende. Sie liegen auf einer Intensivstation, sind künstlich beatmet, ihr Herz schlägt und ihre Haut ist rosig und warm. Es ist aber unmöglich, dass sie je wieder zu Bewusstsein kommen. Ihnen dürfen noch durchblutete und funktionierende Organe entnommen werden.

Nachdem der Hirntod und somit der Tod laut Gesetz festgestellt worden ist, gibt es für diese Menschen zwei Möglichkeiten: Entweder die Beatmung und die Medikamente werden auf der Intensivstation im Beisein der Angehörigen gestoppt und es kommt zum Atemstillstand und schliesslich innert weniger Minuten auch zum Herzstillstand. Dann setzen auch die Körperfunktionen aus und der Körper stirbt.

Sollen einem Hirntoten hingegen Organe entnommen werden, müssen sich die Angehörigen in der Regel auf der Intensivstation von ihm verabschieden und er wird zur Organentnahme (Explantation) in den Operationssaal gebracht. Dort kann es beim Aufschneiden des Körpers zu Muskelreflexen und somit zu Abwehrbewegungen mit Armen und Beinen kommen. Damit dies nicht geschieht und das Operationsteam dadurch psychisch belastet wird, erhalten Hirntote heute in der Schweiz eine Vollnarkose.[1]The Swiss Donation Pathway, Empfehlungen für die anästhesiologische Organprotektion während der Organentnahme von erwachsenen „Donation after Brain Death (DBD)“-Spendern, Einführung Der … Weiterlesen In Deutschland hingegen werden in der Regel nur muskellähmende Medikamente verabreicht.

Anschliessend folgt eine rund sechsstündige Operation, während der verschiedene Ärzteteams inmitten aufwändiger Technik ein Organ nach dem anderen entnehmen. Das Herz wird vor der Entnahme mit Medikamenten gelähmt und zum Stillstand gebracht.

Am Ende der Operation wird der Körper zugenäht, gewaschen und Verbände werden angelegt. Die Angehörigen können danach den nun erkalteten Leichnam nochmals sehen.

2.2. Organentnahme nach ausgelöstem Herz-Kreislaufstillstand und nachfolgendem Hirntod

(Donation after Circulatory Death DCD, ca. 35% der Organspenden)

Bei dieser Art der Organentnahme werden schwerkranke Patienten mit hoffnungsloser Prognose, nachdem entschieden worden ist, dass man sie sterben lassen möchte, für die Organentnahme vorbereitet. Diese Vorbereitungen geschehen noch bevor sie hirntot sind.

Dann wird der Patient in den Operationssaal gebracht, wo die lebenserhaltenden Behandlungen wie Beatmung und Medikamente gestoppt werden. Anschliessend wird gewartet, bis das Herz aufhört zu schlagen. Ist der Herz-Kreislaufstillstand eingetreten, müssen sich die Angehörigen von ihrem Familienmitglied verabschieden. Nach einer Wartezeit von fünf Minuten ab dem Herzstillstand ist gemäss heutiger Lehrmeinung der Hirntod eingetreten, weil das Hirn in dieser Zeit nicht mehr mit Sauerstoff versorgt wurde.

Sobald der Hirntod festgestellt worden ist, wird der nun hirntote Patient wieder intubiert und beatmet. Einige werden auch an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen, damit die Organe sofort wieder mit Sauerstoff versorgt werden und keinen Schaden nehmen. Damit aber kein sauerstoffhaltiges Blut ins Hirn gelangen kann, werden die Blutgefässe zum Hirn mit einem eingelegten Ballon verschlossen.[2]Franz Immer, CEO Swisstransplant, Mar Lomero, et al.: Donation after circulatory death today: an updated overview oft he European landscape, Transplant International 2020, 33: 76-88, see page 81 and … Weiterlesen

Danach erfolgt auch hier die rund sechsstündige Organentnahme durch verschiedene Ärzteteams inmitten aufwändiger Technik. Am Ende der Operation wird der Körper zugenäht, gewaschen, Verbände werden angelegt und die Angehörigen können den erkalteten Leichnam nochmals sehen.

Die Hirngefässe werden verschlossen, weil sonst das Risiko besteht, dass das Hirn durch sauerstoffhaltiges Blut versorgt wird und Hirnfunktionen reaktiviert werden.[3]Franz Immer, CEO Swisstransplant, Mar Lomero, et al.: Donation after circulatory death today: an updated overview oft he European landscape, Transplant International 2020, 33: 76-88, see page 81 and … Weiterlesen[4]Siehe dazu aus internationaler Perspektive Perez-Villares J. et al.: Validation of a new proposal to avoid donor resuscitation in controlled donation after circulatory death with normothermic … Weiterlesen[5]Prof. Christian Toso, Hôpitaux Universitaires Genève, Vortrag im Universitätsspital Lausanne Januar 2019 «Current trends in liver transplantation», … Weiterlesen Das bedeutet, dass es nicht sicher ist, dass das Hirn irreversibel ausgefallen ist. Damit stellt sich die Frage, ob diese Art der Organentnahme legal ist, denn das Transplantationsgesetz verlangt, dass für die Todesfeststellung die Funktionen des Hirns irreversibel ausgefallen sein müssen (Artikel 9, Todeskriterium: Der Mensch ist tot, wenn die Funktionen seines Hirns einschliesslich des Hirnstamms irreversibel ausgefallen sind).

P.S. In Deutschland ist diese Art der Organentnahme verboten mit der Begründung, dass Menschen fünf Minuten nach Herzstillstand oft noch reanimierbar und damit noch nicht tot seien.

Dr. med. Alex Frei

David Gysel

21.11.2021, rev. 01.04.2022

Fussnoten

Fussnoten
1

The Swiss Donation Pathway, Empfehlungen für die anästhesiologische Organprotektion während der Organentnahme von erwachsenen „Donation after Brain Death (DBD)“-Spendern, Einführung Der gesamte in der Schweiz gültige Ablauf ist unter dem Namen «Swiss Donation Pathway» auf www.swisstransplant.org in der Fachsprache Transplantationsmedizin beschrieben. Siehe auch in Englisch www.swisstransplant.org/fileadmin/user_upload/Dokumente/eloomi/Preparatory_Course/Slides/4.3_Organ_procurement

2, 3 Franz Immer, CEO Swisstransplant, Mar Lomero, et al.: Donation after circulatory death today: an updated overview oft he European landscape, Transplant International 2020, 33: 76-88, see page 81 and 82
4 Siehe dazu aus internationaler Perspektive Perez-Villares J. et al.: Validation of a new proposal to avoid donor resuscitation in controlled donation after circulatory death with normothermic regional perfusion, Resuscitation 117 (2017) 46-49
5

Prof. Christian Toso, Hôpitaux Universitaires Genève, Vortrag im Universitätsspital Lausanne Januar 2019 «Current trends in liver transplantation», https://www.chuv.ch/fileadmin/sites/glg/Minisymposium2019_handout_Toso.pdf

3 thoughts on

Organentnahme kurz erklärt

  • Kern Idda

    Ich hätte diese Kurzerklärung gerne auf A5 Hochformat verkleinert, kann sie selber aber nicht verkleinern oder herausnehmen; können Sie mir eine verkleinerte Form schicken?

    • Lukas Röthlisberger

      Ich nutze hier die Möglichkeit, die Donation after circulatory death zu diskutieren. Bei den Patienten, an denen diese Art der Spende vollzogen wird, um Schwerstkranke ohne jegliche Chance auf Heilung. Es wird bewusst entschieden, die lebenserhaltenden Massnahmen nicht länger aufrecht zu erhalten, sodass der Patient versterben wird. Bis hierhin ist das gängige Praxis, um den Menschen gehen zu lassen. Der Kritikpunkt bei der DCD ist, dass nach dem Tod des Patienten die Halsschlagadern versperrt werden und nach 5 Minuten wieder lebenserhaltende Massnahmen durchgeführt werden, um die Organe am Leben zu erhalten, während das Hirn weiter unversorgt bleibt. Ich frage mich jedoch, worin hier der ethische Unterschied besteht. Der Patient hat keine Chance auf Heilung und wird ohnehin versterben. Anstatt dass man die lebenserhaltende Versorgung endgültig abstellt, sorgt man hier dafür, dass der Hirntot eintritt, währenddem die Organe weiterleben können. Zwar kann der Patient nach 5 Minuten noch reanimierbar sein, die Hirnschäden sind dann aber bereits erheblich. Die Operation wird dann auch nicht nach 5 Minuten durchgeführt, sondern braucht eine gewisse Vorbereitungszeit. Auch wenn diese sehr kurz ist, ist der Hirntod bis dahin Eingetreten. Es werden dann also dem toten Patienten die Organe entnommen und es besteht zu der gängigen Organentnahme keine ethische Diskrepanz mehr. Natürlich ist diese Art zu gehen unüblich, aber für den Patienten ändert sich der Sterbeprozess nicht. Im Gegenteil gewinnt die Tragik, dass ein Mensch sterben muss, einen gewissen Sinn, weil dadurch einem Menschen das Leben noch gerettet werden kann.
      Im Übrigen freue ich mich, dass dieser Artikel in keiner Weise polarisierend, sondern im Gegenteil sachlich und informativ verfasst wurde. Ich freue mich auf eine anregende Diskussion.

      • Alex Frei

        Besten Dank für Ihren Kommentar. Das Problem der Donation after Cardiac Death fünf Minuten nach Herzstillstand besteht darin, dass diese Art der Entnahme gegen das Transplantationsgesetz verstösst. In diesem heisst es, dass der Mensch tot ist, wenn die Funktionen des Hirns und des Hirnstamms IRREVERSIBEL ausgefallen ist. Dass fünf Minuten nach Herzstillstand die Hirnarterien verschlossen werden müssen, damit Hirnfunktionen nicht wieder zurückkehren, zeigt, dass das Hirn eben zu diesem Zeitpunkt noch nicht irreversibel ausgefallen ist. Die Organentnahme wird also an einem laut Gesetz noch nicht hirntoten Menschen, sprich einem noch lebenden Menschen, durchgeführt, was verboten ist.

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